In unserer Küche hängt schon seit langem ein Zettel mit dem Spruch
„Ich wünsche dir, dass du nicht immer nur das große Ziel siehst, sondern auch die vielen Wege dorthin genießen kannst.“

Wir sind nun seit 2 Jahren auf einem ganz besonderen Weg.
Vor 2 Jahren im Oktober waren wir das erste mal auf La Palma und haben uns damals entschieden: Hier werden wir leben. Hier werden wir sein. Hier werden wir unsere Vision Wirklichkeit werden lassen und Menschen wirklich helfen. Als ganze Familie mit 4 Kindern zwischen 2 und 8 Jahren geht es nun in ein paar Wochen los.

Wie ist das nun mit diesem Spruch – der Weg ist das Ziel – oder vielleicht doch nicht?
Auf diesem Weg in der vergangenen Zeit gab es viele Etappen. Es gab Pausen, Stolpersteine, Tankstellen (Dankstellen übrigens auch!) und immer wieder auch Abschnitte mit holprigem Gelände. Uns tut es dann gut, die Aussicht zu genießen, innezuhalten… und uns dann wieder den konkreten, nächsten Dingen zuzuwenden, um die nächsten Schritte gehen zu können.

Und dieser Weg soll das Ziel sein?
Ich wage mich, hier zu widersprechen. Nein, ein Weg ist eben nicht „einfach so“ das Ziel. Etappen auf einem Weg werden nur dann zu Zwischenzielen, wenn es eine ganz entscheidende Sache gibt: EIN ZIEL!
Fehlt das Ziel, gibt es auch keine Zwischenziele.
Dann ist jede Pause, jeder Stolperstein, sogar jede Tankstelle eher eine Belastung. Jeder Ausblick – und sei er noch so schön – lässt die Frage lauter werden „wo geht es hin?“. Jede Abzweigung lässt die Zweifel wachsen, ob der Weg „der Richtige“ ist. Jede Wendemöglichkeit stellt immer neu die Frage, ob es nicht vielleicht doch besser ist, wieder zurück zu gehen.

Wir erleben es zur Zeit wirklich oft: Leute hören von unserem Projekt und als Erstes gibt es ein kleines oder auch großes Staunen. „Wow, da habt ihr euch ja was vorgenommen!“
Dem Staunen folgt dann meist relativ schnell die Frage: „Das muss euch aber auch ziemlich schwer fallen, oder?“
Spätestens wenn alles nachfragen nach Schmerz und Traurigkeit scheitert und wir vor allem voller Vorfreude sind und erzählen, wie gut es tut, Dinge einzupacken, auszusortieren, weiterzugeben und ja – auch zu entsorgen, dann folgt in vielen Fällen eine Art Verzweiflung: „Ja, aber ihr hinterlasst doch hier so viel! Ihr habt hier so viel aufgebaut, ihr habt hier ein Haus, ihr habt hier Familie, ihr habt hier Freunde! Und wenn dann dort, so weit weg von hier, Probleme auftauchen…?“

Ja, Probleme gibt es bestimmt mal. Egal, ob ich in Taka-Tuka-Land, Deutschland oder Spanien bin. Macht nix. Pro-bleme sind >für< uns da. Nicht >gegen< uns – sonst hießen sie ja Kontra-bleme.
Ich stehe dann lächelnd und wirklich voller Freude da. Denn diese Freude erfüllt mich in solchen Momenten und das spürt wohl auch mein Gegenüber. Ich laufe förmlich über vor Freude.

Dass uns im Laufe unseres Weges mehrmals die Grundstücke „vor der Nase weg verkauft wurden“, hätte uns vielleicht zum Umlenken bewegt, wenn wir nicht damals als erstes unseren Entschluss gefasst hätten: Ja, wir gehen nach La Palma!

Dass uns Menschen gesagt haben „Sowas könnt ihr doch nicht machen! Mit 4 Kindern auf eine kleine Insel so weit weg!“ hätte uns vielleicht wankelmütig gemacht, wenn wir uns nicht Gedanken darüber gemacht hätten, was WIR wirklich wollen.

Dass uns Leute sagen „Ihr werdet doch hier gebraucht!“, hätte uns vielleicht ein schlechtes Gewissen gemacht, wenn wir uns nicht vorher das Versprechen gegeben hätten, dann endlich WIRK-lich helfen zu können. Mit unserem ganzen Wissen, unseren Erfahrungen und unserem ganzen Sein. Ja, wir werden gebraucht. Inzwischen nehme ich diese Aufgabe voller Dankbarkeit und Vertrauen an und auf La Palma ist der richtige Platz dafür.

Dass wenige Wochen vor unserem Umzug noch immer nicht alle Formalitäten geklärt sind, hätte so manchen meiner Bekannten schon zu 10 Nervenzusammenbrüchen geführt (und das ist keine Formulierung von mir 😉 ) – aber wir haben unser Ziel und das gibt uns innere Sicherheit.

Dass das Ziel eines Tages erreicht ist? Ohje, nun kommen wir wohl an des Pudels Kern. Auch DIE Frage haben wir schon gehört: „Und dann? Wenn dann alles geklärt ist? Die Praxis und das Institut werden übergeben, für das Haus habt ihr Käufer, ein passendes Haus auf La Palma habt ihr auch gefunden – wollt ihr denn dann immernoch dahin?“ Ja! Wollen wir. Und die Vorfreude der Kinder mitzuerleben ist nochmal so schön, wie die eigene Freude. Das Leben ist dann nicht zu Ende, wenn ein Ziel erreicht ist. Denn das eine – vielleicht eben erreichte – Ziel ist ein Etappenziel auf dem Weg zum nächsten Ziel.

Der Weg ist das Ziel…
Ja, wenn es ein Ziel gibt, ist jeder Schritt auf dem Weg auch ein Ziel.
Auf dem Weg tut es nicht weh, den eben gegangenen Schritt hinter sich zu lassen. Er war gut, genau so wie er war und hat mich zum nächsten Platz geführt.
Auf dem Weg liegende Steine werden eingesammelt und als kostbare Erinnerung in der Tasche aufbewahrt, oder sie werden umgangen oder sie werden weggekickt, oder sie werden zum Denkmal. Sie machen den Weg zu etwas Besonderem.
Auf dem Weg liegende Rastplätze werden zum Ruhe finden genutzt. Sie lassen uns tief durchatmen und wir genießen die Aussicht.

Der Weg ist das Ziel – und wir sind auf dem Weg zum Ziel!

Herzliche, zielgerichtete Grüße – Carola