Inselgedanken – Wir brauchen Wurzeln

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Wir brauchen Wurzeln!

Rein botanisch betrachtet, klingt dass etwas seltsam. Menschen haben doch keine Wurzeln! Und doch wird diese Metapher oft benutzt um eine lebenswichtige Sache zu beschreiben.

Als wir uns von Freunden und Bekannten in Deutschland verabschiedet haben, wurden wir oft gefragt, was wir mit unseren Wurzeln machen. Wir hätten doch hier, in Ostdeutschland unsere Wurzeln, wurde uns gesagt. Kann man da so einfach irgendwo anders hingehen?

So habe ich wieder einmal über dieses Bild der „Wurzeln der Menschen“ nachzudenken.

Ich will lieber zuhören

Wir sind nun schon einige Wochen auf La Palma. Wir sind mit dem Auto und der Fähre hier her gefahren, über Frankreich, Spanien und den Atlantik.  Das waren insgesamt weit über 4000 Kilometer.

Es war eine sehr schöne und erlebnisreiche Reise. Wir haben viel gesehen. Jede Nacht haben wir in einem anderen Hotel übernachtet. Unseren Kindern hat das sehr gefallen. Der Höhepunkt aber war sicher die Zeit auf der Fähre. Von Dienstagabend bis Freitagfrüh waren wir auf dem Wasser. Über Gran Canaria und Teneriffa ging es nach La Palma.

Wir haben uns tatsächlich den Wecker gestellt und sind nachts zwischen 03.00 Uhr und 04.00 Uhr aufgestanden und an Deck gegangen, weil wir die ersten Lichter von La Palma sehen wollten.

Ja, so ein Erlebnis werden wir nie vergessen. Es ist so besonders, so beeindruckend, einfach so toll.

Ich glaube solche Erlebnisse sind für uns Menschen das, was für die Pflanzen die Wurzeln sind.  Die Wurzeln sind dazu da, dass die Pflanze die Nahrung aus der Erde aufnehmen kann und Halt in der Erde findet. Prägende und bedeutsame Erlebnisse sind die „Nahrung für die Seele“ und sie werden für uns zu dem, was die Wurzeln für die Pflanzen sind. Wie die Wurzeln einer Pflanze Halt und Nahrung geben, geben solche besonderen Erlebnisse unserer Seele auch Halt und Nahrung. Wir brauchen sie also, diese Erlebnisse, sonst verlieren wir den Halt und unsere Seele verhungert.

Mir ist beim Umgang mit meinen Wurzeln folgendes aufgefallen:

  1. Wenn ich etwas Besonderes erlebt habe, verbinde ich das oft mit dem Ort oder dem Gegenstand, der mit dem Erlebnis im Zusammenhang steht. Dieser Ort oder dieser Gegenstand wird dadurch ebenfalls bedeutungsvoll. Es ist, als würde ich hoffen, dass dieses besondere Ereignis sich dort immer wiederholt und ich so immer Nahrung und Halt für meine Seele habe. Solche besonderen Orte sind z.B. der Geburtsort, die Heimat oder Orte an denen man lange Zeit gelebt hat. Aber das Erlebnis, das mir Nahrung und Halt für meine Seele gibt, ist nicht wirklich an diesen Ort gebunden. Die Liebe meiner Eltern, das Erlebnis der Geborgenheit in der Familie – das sind Gedanken und Gefühle in mir, die ich überall hin mitnehmen kann. Sie sind nicht an den Ort gebunden. Der Ort ist eine gute Möglichkeit zur Erinnerung. Aber das reicht nicht aus für ein erfülltes Leben.
  2. Wenn ich etwas Besonderes erlebt habe, verbinde ich das oft mit Menschen, die zu diesem Erlebnis beigetragen haben. Diese Menschen werden dadurch für mich bedeutungsvoll. Es ist, als würde ich hoffen, dass sich dieses besondere Ereignis mit diesen Menschen immer wiederholt und ich so immer wieder Nahrung und Halt für meine Seele habe. Solche besonderen Menschen sind natürlich die Eltern, aber auch die Geschwister, die Freunde und der Partner für´s Leben, die eigenen Kinder und Enkel. Aber das eigentliche Erlebnis, das mir Nahrung und Halt für Seele gibt, ist nicht wirklich an Menschen gebunden. Die Erlebnisse, wie Erfolg, Liebe, Vertrauen und Ermutigungen – das sind Gedanken und Gefühle, die ich überall hin mitnehmen kann. Sie sind nicht an bestimmte Personen gebunden. Diese Personen haben mir zu Gedanken und Gefühlen verholfen, die mich in meinem Leben weiter gebracht haben. An sie zu denken, ist eine gute Möglichkeit zur Erinnerung. Aber das reicht nicht aus für ein erfülltes Leben.

Das reicht nicht aus für ein erfülltes Leben? Nein, das reicht nicht aus für ein erfülltes Leben. Solche Erinnerungen sind gut und wichtig. Sie wecken in uns das Gefühl der Dankbarkeit und zeigen uns die Möglichkeiten der Vergangenheit. Es ist nicht falsch, sich zu erinnern. Menschen haben zu allen Zeiten Stätten der Erinnerung geschaffen oder bestimmte Personen besonders verehrt. Aber wenn man bei den Erinnerungen stehen bleibt, wenn man immer an dem selben Ort bleibt, mit den selben Menschen zusammen ist und immer das Gleiche tut, dann wird man auch immer die gleichen Gedanken haben und die Gefühle, die diese Gedanken auslösen, werden immer schwächer. Und dann kommt der Tag, an dem die Seele ihren Hunger anmeldet. Es ist, als ob die Wurzeln nicht mehr genug Nahrung und Halt für die Seele geben. Sicher kennst Du diese Situation. Und vielleicht hast Du auch diese Antworten bekommen, die ich von anderen Menschen bekam oder mir selbst gegeben habe:

– Sei doch zufrieden mit dem, was du hast. Man muss doch nicht immer mehr haben wollen.

– Du hast dir so viel aufgebaut. Nun kannst du es doch einfach genießen. Es ist nirgendwo schöner, als zu Hause. (Die Hänschen-klein-Antwort)

– Dann musst du ja alles verändern und noch einmal ganz von vorn anfangen.

Alle diese Antworten – und es gibt noch viele mehr davon – haben auf der einen Seite Recht, verkennen aber auf der anderen Seite vollständig, worum es geht.

Wenn Pflanzen wachsen, wachsen auch die Wurzeln mit. Wenn du ein erfülltes Leben haben willst – und ich meine damit nicht, dass Du immer mehr und mehr und weiter und weiter kommst, sondern dass Du immer mehr so lebst, wie Du es in Deinem tiefsten Inneren, wie es Deine Seele will – dann musst Du wachsen.

Wie geht das? Sorge dafür, dass Du besondere Erlebnisse hast. Frag Dich: „Was will ich erleben? Wo will ich einmal sein? Was will ich einmal tun? Was will ich einmal sein?“ Und dann tu´s! Das, was dann geschieht, gibt Dir neue Wurzeln, neue Nahrung und Halt für Deine Seele.

Alt wird man nur, wenn man nichts Neues mehr erlebt, wenn man den Ort, wo man lebt nicht mehr verlässt und keine neuen Bekanntschaften mehr macht. Deshalb rat ich Dir:

  1. Schaffe Dir immer wieder neue Erlebnisse. Unternimm etwas. Achtung: Virtuelle Erlebnisse geben unserer Seele weder Nahrung noch Halt!
  2. Tu, was Du schon immer mal tun wolltest. Schau Dir die Argumente, die dagegen sprechen genau an. Sie stammen alle aus der Angst, nicht aus der Liebe.
  3. Lerne Menschen kennen. Sprich mit Ihnen. Hör Dir an, was sie denken, Schau, was sie tun und lass Dich von ihnen inspirieren.
  4. Versuche neue Gedanken. Versuche, Dinge anders zu sehen. Spiel einfach Deinen inneren Zauberer. Warte nicht mehr, bis der große Knall kommt, der alles verändert. Stell Dir einfach vor, wie es nach dem Knall sein wird.

Bei allem, genieße was Du fühlst. Das ist der Turbo für Deine Seele. Das macht sie stark und gibt Dir Halt.

Wenn Du jetzt nicht weißt, wie das alles für dich funktionieren kann, biete ich Dir ein Coaching an. Schreibe einfach Mail an bethlehemsstall@gmx.de und dann können wir uns online treffen. Vielleicht kann ich Dir helfen, Deinen Weg zu finden.

Meine Sonntagspredigt zu diesem Thema

Das Thema der Wurzeln der Menschen findest du auch in der Bibel:

In seinem Brief an die Kolosser im 2. Kapitel, Vers 7 schreibt der Apostel Paulus: “Seid in Christus verwurzelt und gegründet und fest im Glauben, wie ihr gelehrt worden seid, und seid reichlich dankbar.“

Die Bibel kennt das Bild von den Wurzeln also auch schon. Der Mensch hat Wurzeln, die seiner Seele Nahrung und Halt geben. Und Paulus beschreibt auch, wo wir unsere Wurzeln haben sollen: Im Glauben!

Jetzt wäre nur noch zu klären, was Paulus damit meint, wenn er von den Wurzeln im Glauben spricht.

Ich will lieber zuhören

Für mich ist der Glaube keine Art von Philosophie, kein Gedankengebäude und schon gar kein Regelwerk, nach dem ich leben muss, um in den Himmel zu kommen. In so etwas zu wurzeln würde vielleicht den Bemühungen der Pharisäer gleichen. Sie wussten alles über den Glauben, sie lebten nach ihren Regeln und Vorschriften und Jesus stellte ihnen genau das alles in Frage. Im Glauben wurzeln hat also nichts mit Anstrengungen oder gar Perfektionismus zu tun. Gerade für die einfachen Leute und für die Sünder ist der Glaube gut.

Schauen wir uns so einen einfachen Mann an. Petrus heißt er und er gehört zu den 12 Jüngern Jesu. Heute gehört er zu den Personen, die, wie ich es oben beschrieben habe, von vielen Menschen als „Glaubensheld“ verehrt werden. Selbst der Papst bezeichnet sich als seinen Nachfolger. Trotzdem war er ein einfacher Mann. Von Beruf war er Fischer und so gehörte er zu den Leuten in der Gesellschaft, die wenig Geld und wenig Ansehen hatten.

Jesus ruft diesen Mann aus seinem bisherigen Leben heraus. Petrus sollte etwas anderes erleben, neue Gedanken in seinen Kopf bekommen und dann anders handeln. Und Petrus macht das. Er lässt alles stehen und liegen und folgt Jesus nach. Das ist das erste, was wir lernen können, wenn es um das Verwurzelt-sein-im-Glauben geht. Bist Du bereit, Deine Wurzeln in den Glauben hinein zu entwickeln? Oder willst Du weiter die Netze Deines Lebens flicken?

Wurzel im Glauben schlagen, das bedeutet etwas Neues zu beginnen, neue Erlebnisse anstreben, neue Gedanken zulassen, neues Handeln wagen. Und wer den Lebenslauf des Petrus kennt, der weiß, dass er diese Entscheidung mit allen diesen Konsequenzen nicht nur einmal damals am See Genezareth gefällt und gelebt hat. Das hat sich immer wiederholt und hatte wohl zu Pfingsten seinen besonderen Höhepunkt.

Eine Situation im Leben des Petrus ist für mich besonders spannend. Petrus ist mit den anderen Jüngern auf dem See Genezareth unterwegs und es gibt einen Sturm. Selbst die erfahrenen Fischer hatten dabei Angst. Es muss wohl ziemlich heftig gewesen sein. Und dann kommt Jesus auf dem Wasser zu ihnen gelaufen. Toll. Das gefällt mir. Das will ich auch können.

Jesus läuft genau auf dem Medium, was den Jüngern Angst macht. Wenn ich auf dem Wasser laufen will, dann muss ich mich zuerst fragen lassen: Stehe ich über den Dingen, die mir Angst und Sorge machen oder leide ich unter dem was mir Angst und Sorgen macht?

Petrus will – genau wie ich auch – auf dem Wasser zu Jesus hin laufen. Hörst du, was die Anderen sagen? „So ein Quatsch, das kann nur Jesus!“ „Reicht das nicht, wenn Jesus kommt? Warum muss man dann selbst aus dem Boot klettern?“ „Der will sich wieder hervortun. Er sollte viel lieber demütig im Boot warten und sich wegen seiner Angst von vorhin schämen!“

Genau das ist der Punkt. Ich muss mich fragen lassen, gebe ich offen zu, dass ich auf dem Wasser laufen will? Steh ich dazu und bin ich bereit den Schritt aus dem Boot zu gehen? Petrus hat nicht gefragt, ob das Sinn macht, ob das richtig ist oder ob man das darf. Er macht das einfach.

Und dann läuft er auf dem Wasser. Eine irre Vorstellung. Hast Du das auch auf der Liste der Dinge stehen, die Du einmal erleben willst?

Als wir mit der Fähre vor drei Wochen nach La Palma gefahren sind, habe ich oft an den Petrus denken müssen. Ich habe auf das Wasser geguckt und dann war ich doch froh, dass wir die Fähre gebucht hatten. Aber doch haben die Situationen etwas Ähnliches. Wir haben Chemnitz verlassen und sind unterwegs in die Zukunft, die derzeit noch nicht voller Sicherheiten steckt. Das Haus, in dem wir wohnen wollen ist noch nicht gekauft. Wir haben auch noch keine Aufenthaltsgenehmigung für La Palma. „Kommt erst mal her“, hat man uns gesagt.

Und dann bekommt Petrus nasse Füße. Hörst Du schon wieder die Anderen reden? „Das musste ja so kommen!“ „Das kommt davon, wenn man immer alles will, was nur Jesus kann!“ „ Das hab ich kommen sehen. Verrückter Kerl!“ Petrus bekommt nasse Füße und Jesus hält ihn fest. Nasse Füße sind nicht schlimm. Das ist keine Krankheit. Das ist kein Verbrechen. Nasse Füße bekommt man übrigens auch bei der Fußwaschung und das beste Mittel dagegen ist ein Handtuch. Das ist alles.  Das ist kein Drama. Das ist für mich das, was ich „im-Glauben-verwurzelt-sein“ nenne. Das ist Glaube und die nassen Füße gehören dazu.

Der Petrus hat das dann noch oft in seinem Leben erlebt. Besonders nach dem er Jesus verleugnet hat – nasse Füße gehören eben dazu – hat der gemerkt, wie Jesus ihn hält. Und ich kann mir vorstellen, dass er, als er zu Pfingsten vor den vielen Leuten stand und die ihn gefragt haben: „Was sollen wir tun?“ auch kurz an das Erlebnis auf dem See gedacht hat und dann hat er einfach angefangen zu reden.

Wie bekommst Du das nun in Dein Leben hinein? Überlege, was Du willst! Du kannst wählen. Wie unser Leben aussieht, ist uns nicht vorgeschrieben. Du kannst wählen, ob Du zu neuen Ufern willst oder ob Du weiter die Netze Deines bisherigen Lebens flicken willst.

Wenn Du Dich für die neuen Ufer entschieden hast rate ich Dir:

  1. Schaffe Dir immer wieder neue Erlebnisse. Unternimm etwas. Achtung: Virtuelle Erlebnisse geben unserer Seele weder Nahrung noch Halt!
  2. Tu, was Du schon immer mal tun wolltest. Schau Dir die Argumente, die dagegen sprechen genau an. Sie stammen alle aus der Angst, nicht aus der Liebe.
  3. Lerne Menschen kennen. Sprich mit Ihnen. Hör Dir an, was sie denken, Schau, was sie tun und lass Dich davon inspirieren.
  4. Versuche neue Gedanken. Versuche, Dinge anders zu sehen. Spiele einfach Deinen inneren Zauberer. Warte nicht mehr, bis der große Knall kommt, der alles verändert. Stell Dir einfach vor, wie es nach dem Knall sein wird. Hab keine Angst davor, nasse Füße zu bekommen.

Bei allem, genieße was Du fühlst. Das ist der Turbo für Deine Seele. Das macht sie stark und gibt Dir Halt, das bedeutet: Im Glauben fest verwurzelt sein.

Wenn Du jetzt nicht weißt, wie das alles für dich funktionieren kann, biete ich Dir Hilfe und Unterstützung an. Schreibe mir einfach Mail an bethlehemsstall@gmx.de und dann können wir uns online treffen. Vielleicht kann ich Dir helfen, Deinen Weg zu finden.

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